"Ich möchte alle Sinne ansprechen": Sinnlich außergewöhnlicher Schmuck von Claudia Milić

"Ich möchte alle Sinne ansprechen": Sinnlich außergewöhnlicher Schmuck von Claudia Milić

Wo visuelle Eindrücke auf haptisches Erleben treffen, da entstehen meist ganz außergewöhnliche Aussichten. Der Schmuck von Claudia Milić ist dafür der funkelnde  Beweis: Zuerst springt das Funkeln der Ketten ins Auge und im nächsten Moment ertappt sich der Betrachter dabei, wie er die Schmuckstücke anfasst, dreht und wendet. „Genau das will ich“, sagt Claudia Milić dazu, „man muss diesen Schmuck einfach anfassen.“ Wir von VANTAGE JEWELRY Store haben die Schmuckstücke sofort ins Herz geschlossen. CEO Dennis Honold traf die kulturell bewanderte Schmuckdesignerin auf halbem Weg zwischen zwei internationalen Kunst- und Kulturfestivals (der Documenta und dem Edinburgh International Festival). Ein wohlig lauschiges Gespräch über Habenwollen, Nicht-mehr-her-geben-wollen und andere entzückende sensorische Momente.

Aussergewöhnlicher Schmuck braucht aussergewöhnliche Sinne

VANTAGE JEWELRY STORE: Hallo Claudia, wo ist dein liebster Aussichtspunkt?

CLAUDIA MILIĆ: Im Wald. Am liebsten der vor meiner Haustüre. Aber eigentlich jede Art von Wald wirkt auf mich gleichzeitig beruhigend und inspirierend. Wald ist für mich eine absolute Kraftquelle. Grün in verschiedenen Schattierungen, das gefällt mir einfach.

VJS: Und was genau machst du eigentlich so?

CM: Ganz viele verschiedene Sachen. Ich bin sehr viel kulturell unterwegs, Musik ist eine Leidenschaft  und ich meditiere auch. Nachdem ich das Festival in Edinburgh besucht habe, werde ich in den Highlands wandern gehen. Das brauche ich so als Ausgleichspunkt, in der Ruhe liegt bei mir sprichwörtlich die Kraft – die Dinge sollen nicht zu schnell und nicht zu langsam gehen,

VJS: Wow, du bist sehr vielseitig interessiert!

CM: Ja, und außerdem habe ich mir gerade ein neues Instrument zugelegt – eine Handpan. Das ist ein sehr spirituelles musikalisches Werkzeug....


Wie wird man/frau eine Designerin?

VJS: Warum genau eine Handpan?

CM: Ich habe ein Instrument gesucht, das beruhigend wirkt und ich alleine gut für mich spielen kann. Und die Töne, die eine Handpan  erzeugt, gehen direkt ins Herz. Ich glaube, dass ich dadurch schöne neue Begegnungen mit  Menschen haben werde und eventuell auch mit anderen  Musik machen kann. Sofern ich es dann gut spielen kann (lacht)

VJS: Und dann machst du auch noch hochwertigen Schmuck.

CM: Genau!

VJS: Wie kam es dazu?

CM: Soweit ich zurückdenken kann, war ich immer handwerklich unterwegs und kunstinteressiert. Über mehrere Stationen habe ich mir viele Dinge angesehen und ausprobiert: da wären z.B. meine Schreinerausbildung, das Praktikum beim Kirchenmaler und Arbeiten in der Töpferei. Als ich dann 25 war, erzählte mir jemand von der Pforzheimer Schule und das war die zündende Idee: Schmuck! Nach der Ausbildung zur Formgeberin für Schmuck habe ich dann noch studiert, was sehr gut war. Denn durch das späte Studium hatte ich kristallklare Vorstellungen davon, was ich wie machen wollte. Während der gesamten Studiums gab es immer wieder kreativ-übergreifende Fächer, die mich auch sehr gereizt haben – aber für mich war klar, dass ich Schmuck machen möchte – und zwar aus Metall. Von Anfang war bei mir Metall! (lacht) Andere haben viel mit Kunststoff, Holz, Keramik und anderen Dingen experimentiert.

hochwertiger Designer schmuck - ein Antrieb

VJS: Worin liegt deine Leidenschaft für hochwertigen Schmuck?

CM: Da muss ich erst einmal das Wort „hochwertig“ klären. Für mich hat etwas einen hohen Wert, das mich begeistert und positiv beeinflusst. Das Gefühl, dass ich etwas unbedingt haben und auch für immer behalten will – das drückt für mich den hohen Wert aus. Das muss kein Goldcollier sein, das kann etwas sein, das ich auf dem Flohmarkt entdecke und… (denkt kurz nach)
zu einer bestimmten Persönlichkeit passt und Ausdruck, Ausstrahlung verleiht. Für mich hat das einen hohen Wert, ist also „hochwertig“, wenn man das Wort so teilt. Letzte Woche habe ich mir beispielsweise zwei gleiche Hosen gekauft, einfach weil ich genau diese Hosen haben wollte und ab jetzt für immer tragen möchte (lacht).

VJS: Überträgst du diese Auffassung und dieses Gefühl auf den Schmuck, den du kreierst?

CM: Richtig, ich bekomme das auch immer wieder von den Menschen zurückgemeldet. Das Kernelement ist vermutlich das Funkeln, dadurch wird etwas Starkes ausgelöst. Darauf folgt das Verlangen des Spürens und Erfahrens, der Wunsch des Tragenwollens. Sie spüren, dass mein Schmuck nicht von irgendwelchen Trends beeinflusst und nicht entlang eines Hypes gebaut wird, sondern Zeitlosigkeit verströmt. Man merkt, es ist nichts Temporäres, sondern es überdauert. Das möchte ich mit meinem Schmuck ausdrücken.

VJS: Welche Perspektive nimmst du beim Gestalten deines Schmucks ein?

CM: Ich schöpfe immer ausschließlich vom Material aus, also gehe von einem vorhandenen Element aus. Beispielsweise an einer Kette reizt mich die Frage: Was kann ich aus dieser einen Kette alles machen, was ist damit möglich? Wenn ich jetzt z.B. diese Rolle sehe (zeigt auf eine große Rolle mit aufgewickeltem Kettenmaterial) – das macht mich einfach an! (lacht) Hunderte Meter von Ketten, toll! In der Kunst gibt es ja auch manchmal Werke, die einen ganzen Raum einnehmen und vielfache Exemplare des gleichen Elements tragen. So etwas fasziniert mich.

Von Optik und Anmutung

VJS: Warum sind Ketten für dich der Renner?

CM: Diese Ketten habe ich gesehen und bei einem Händler einen langen Kettenstrang bestellt. Das war das Aha-Erlebnis bzw. genau dieser Moment von hohem Wert für mich. Außerdem hat dieses Funkeln bei mir einfach gesagt: Will ich haben!

VJS: Zu deinem Start bei VANTAGE JEWELRY führen wir drei deiner Kollektionen ein: SHINE, SIARA und TWIST. Erzähl uns mal, was für wunderschöne Aussichten sich damit zaubern lassen!

CM: Die Besonderheit bei SIARA und TWIST ist, dass beide aus derselben Kette entstanden sind, aber eine komplett unterschiedliche optische Anmutung haben. Das außergewöhnliche Funkeln entsteht durch die sehr besondere, diamantierte Oberfläche der Ketten. Bei SIARA besteht ein Stück aus bis zu 2000 einzelnen Kettengliedern, die alle von Hand einzeln zusammengefügt werden. Sie entstehen alle in meiner Werkstatt und somit ist alles in Deutschland produziert. Ein Hauptmerkmal aller drei Kollektionen ist, dass man anfangs darüber rätselt, wie die Schmuckstücke aufgebaut sind – und das ist gleichzeitig das Faszinierende daran. Das Einzigartige an SHINE, SIARA und TWIST ist, dass sobald man sie sieht, sie direkt anfassen möchte – und auch ich als Designerin lege Wert darauf, dass die Schmuckstücke angefasst werden. Einfach weil sie dazu einladen und nur auf diese Weise die Stücke ihre taktilen und sensorischen Eigenschaften voll entfalten können. Die drei Kollektionen umschmeicheln den Teil des Körpers – sei es der Hals, das Handgelenk oder das Ohr –  weil sie so feingliedrig und leicht sind.

VJS: Die Trägerin setzt den Schmuck in Bewegung und funkelt damit selbst.

CM: Ja! Und der Schmuck berührt, er „umstreichelt“ die Haut und fühlt sich einfach super gut an! Bei meinem Schmuck ist immer sinnliches Wahrnehmen und Sensorik im Spiel, daher ist z.B. SIARA ein sehr sinnlicher Schmuck.

VJS: Claudia, vielen Dank für dieses tolle Gespräch und die Einblicke in deine Arbeit!